Hebammerei

Eisen in der Muttermilch

Es war einmal…

Heute möchte ich dir ein kleines Märchen erzählen. Es ist eines, welches ich schon oft erzählt habe und miener Meinung nach auch nicht oft genug erzählt werden kann. Es hängt mit einem anderen Märchen zusammen, das sehr gerne besonders von Kinderärzten erzählt wird, nämlich:

Eisenmangel bei Stillkindern

Zu einer Zeit – sagen wir relativ exakt zehn Jahre her – begab es sich, dass die von der EU 2006 festgelegte Richtlinie den Fleischanteil in Babygläschen von 12 auf 8% zu senken, umgesetzt wurde.
Nun gab es aber große Unternehmen und Organisationen, denen dies nicht gefiel. Denn weniger Fleisch bedeutete weniger Verkauf und somit weniger Geld. So suchte sich diese Organisation(CMA) ein paar Experten, die bitte herausfinden sollten, ob es bei 8% Fleischanteil nicht zu Mangelerscheinungen kommen könnte. Diese Experten fanden Sie bei der FKE. Soweit, so gut.
Also ein paar Kinder geschnappt, den einen ein paar Monate Fleischgläschen mit 12% zu essen gegeben und den anderen welche mit 8%.
Ergebnis:

Es gab keinen Unterschied

Hm. Ja blöd gelaufen. So wird man sein Fleisch halt nicht los. Da muss doch noch was zu holen sein….
Aha! Stand da nicht in den Ergebnissen, das bei 4!(von 53, nur so nebenbei…) der gestillten Kinder der Hb um 0,3-0,5! niedriger ist, als bei den Flaschenkindern?!?! DAS können wir doch noch ausschlachten..

Außerdem wurden die Gläschen ja von Hipp und Nestlé gestiftet, die möchte man für ihre Großzügigkeit ja auch entlohnen…

Stillkindern droht Eisenmangel

Ha! Schnell mal einen Teil der Studie seperat veröffentlicht und so ausgelegt, wie es einem passt(Trau keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast, you know…)
So und was raten unsere Experten nun den armen verunsicherten Stillmamas? Ja richtig, frühzeitig mit dem zufüttern von Fleischgläschen zu beginnen!

Hä? Aber -? Stand da nicht eben -?

Ach ja, genau! Einen Absatz höher stand ja, das selbst monatelanges Füttern von Fleischgläschen nichts am Hb-Wert geändert hat! Aber hey, so Studien liest sich doch kein Mensch durch, wird schon keiner merken!
Hat ja leider auch geklappt

Also nochmal: Das Fleischgläschen füttern hat absolut nichts am Hb-Wert geändert. Sie helfen nicht, einem Eisenmangel vorzubeugen.
Das Einzige, was man aus der Studie ableiten könnte, wäre Flaschennahrung zu geben. Denn diese Kinder hatten wie gesagt etwas bessere Werte. Etwas. Wir reden hier von marginal. Und wir reden immernoch von verdammten 4! in Worten VIER Kindern, die einen niedrigeren Wert hatten.

Eisen in der Muttermilch

In Muttermilch ist recht wenig Eisen enthalten, ja. Fragen wir uns doch mal wieso. Wieso sollte die Natur so etwas tun? Wusste sie,ach ja, in ein paar Millionen Jahren werden ja dann Fleischgläschen erfunden, dann werden die Kinder ja gut versorgt!?!
Wohl kaum.
Das Eisen in der Muttermilch ist verdammt gut verwertbar. 50-75%. Ein Spitzenwert. Fleisch schafft es gerade mal auf 20%. Was – zugegebener Maßen – für Nahrungsmittel auch ein sehr guter Wert ist, denn Hirse und Gemüse schafft es auf weit weniger. Deswegen wird es ja auch so gefeiert.
Aber es ist halt nicht so toll wie Muttermilch. #sorrynotsorry
Ein zuviel an Eisen kann sogar schädlich sein fürs Kind. Schon Studien in den 70ern und 80ern zeigen, dass Eisen Infektionen fördert und zum Wachstum pathogener Mikroorgansimen im Darm führt (Bullen JJ, Griffiths E.  Iron and Infection  New York: John Wiley & Sons, 1987; Weinberg ED. Iron and susceptibility to infectious disease.  Science  1974;184:952; Weinberg ED. Iron and susceptibility to infectious disease.  Science  1975;188:1038).

Hm, also vielleicht doch ganz klug von der Natur angelegt.

Außerdem hemmt Eisen die Zinkaufnahme, welches die Babys aber zur Stärkung ihres Immunsystems gut gebrauchen können, besonders wenn sie mit ca. sechs Monaten anfangen die Welt zu erforschen.
Ahaa! War da nicht was? Ach ja, der angeborene Eisenspiegel des Babys sinkt mit ca. sechs Monaten – welch Zufall…..

Trau keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast…

Nur der Vollständigkeithalber möchte ich noch hinzufügen, dass Eisenwerte bei Babys, die nur punktuell durch Ferritinwerte bestimmt werden, nicht besonders aussagekräftig sind, da dieser Wert starken Schwankungen unterliegt.
Natürlich hat auch keiner erwähnt, dass durch das Zufüttern die Eisenaufnahme aus der Muttermilch gehemmt wird(wie blöd!)
Und das Hipp mit Fleischgläschen 94 Millionen Umsatz pro Jahr macht(Quelle: Welt am Samstag,24.07.2010) brauchen wir an dieser Stelle wohl auch nicht mehr erwähnen.

Also, bitte bei der nächsten Bildüberschrift nicht in Panik verfallen, sondern lieber mal die Studie selbst lesen.
Und ja, leider lesen auch die Kinderärzte die Studien meist nicht, sondern nur die Zusammenfassung, die nur die Antworten enthält, die gewünscht sind.

Wenn ihr auch noch ein Märchen habt, immer her damit! Ich schreibe gerne darüber

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